Kolumne

Brief an mein jüngeres Ich….

2. Dezember 2018
Brief an mein jüngeres Ich

Liebe Angelika,

ich möchte dir gern ein bisschen von der Zukunft verraten um dir die Angst und den Zweifel an dir selbst zu nehmen. Alles beginnt im Dezember 1989. Deine ersten Lebensjahre vergehen wie im Flug und du wirst sehr schnell zum Teenager. Deine ganze Kindheit wird nicht immer leicht sein, aber du wirst sie, zwar mit sehr vielen Tränen, trotzdem überstehen.

Du wirst Menschen in deinem Leben kennen lernen, die dich verletzen werden. Du wirst sie hassen, dich selbst hassen und unglaublich viele Tränen vergießen. Du wirst an falsche Freunde geraten, die dich fallen lassen werden, weil sie dich nicht mehr brauchen, Freunde, die dir in den Rücken fallen werden.

Der Versuch, sie doch noch zu überzeugen (vom Gegenteil), dich zu beweisen, sie dazu zu bekommen, dich wertzuschätzen und zu lieben, ist nur ein wiedergekehrter Versuch von früher aus deiner Kindheit,  sie von dir und deinem Wert zu überzeugen. In Wahrheit diskutierst du nur mit dir selbst und mit den Geistern deiner Vergangenheit.

Manches Mal wirst du Angst haben, Gefühlskalt zu werden. Ja, manchmal wirst du dies auch sein. Du selbst wirst dich oft genug am Boden sehen. Aber du wirst immer wieder aufstehen. Mit jedem Sturz wirst du stärker.

Wenn dir Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug!“, „Mich will sowieso niemand.“,  oder „Niemand darf merken, wie ich wirklich bin.“ in den Kopf schießen, dann feuert nur deine Vergangenheit und das, was du gelernt hast, zu glauben. Das damalige Ziel, weswegen du dich anpassen wolltest, um doch noch X zu bekommen, liegt in der Vergangenheit. Heute, ist heute!, ist ein völlig neuer und anderer Tag. Sei der Mensch, der du wirklich bist!

Du wirst aber auch unglaublich schöne Erfahrungen machen. Allein und mit Fremden die zu Freunden werden.

Umgib dich mit solchen Menschen. Mit denen, die ebenfalls ein wenig quer denken, die etwas wagen, die sich nicht langweilen wollen. Rede mit ihnen über deine Projekte und Visionen, es entsteht oft Gutes und Neues aus dem Austausch. Hab keine Angst, Ideen preiszugeben. Es ist völlig normal, in einigen Sachen nicht gut zu sein, du kannst nicht alles können! Dann zieh jemanden hinzu, der das beherrscht, was du nicht tun kannst. Und konzentriere dich darauf, was du im Griff hast, womit du Menschen begeistern kannst.

Auch in der Liebe wirst du Höhen und Tiefen haben. Wie ist das passiert? Eigentlich weißt du es nicht, aber du hebst den Kopf, wachst auf wie aus einem Traum und über 12 Jahre deines Lebens sind verronnen, ohne, dass du persönlich einen Schritt weiter gekommen wärst. Einerseits ist das nichts Schlimmes, denn die Begegnungen mit Menschen, die Bindungen, die du eingegangen bist, die Texte, die du geschrieben und die Liebe, die du erlebt hast, haben dich geformt und dich zu der Person gemacht, die du jetzt bist: klüger, weicher, liebesfähiger, fokussierter und stärker als je zuvor.

Erst in späteren Jahren findest du heraus, was dich glücklich macht und welche Ziele bzw. Meilensteine du in deinem Leben verfolgen möchtest.

Du findest heraus, was dich morgens aus dem Bett treibt. Was dich mit Leidenschaft erfüllt oder schlicht: was dich zufrieden macht. Das sind die Dinge, die dein Leben auf Trab halten, die dich auch durch schwierige Zeiten bringen. Auch wenn andere die Nase rümpfen; die Ideen, die in dir schlummern, sind keine Schnapsideen (nicht alle), im Gegenteil! Verfolge deine Ziele und jage deinen Träumen hinterher! 

Dabei auch den Gedanken zuzulassen, dass nicht immer alles so bleiben wird, so verhältnismäßig sorglos und unkompliziert, gehört zu deinem Leben dazu! Niemand befasst sich gerne damit, dass Dinge schief laufen können, dass man Jobs und Partner verlieren könnte, dass man ernsthaft krank werden könnte oder andere Sachen passieren, für die man nicht vorgesorgt und an die man nicht mal im Traum gedacht hat. Aber wenn wir ehrlich sind gehört auch das zu einer guten Sorge für dich selbst: Nicht nur für den Moment gut zu dir zu sein, sondern auch die Zukunft im Blick zu haben und dabei einzukalkulieren, dass das Leben möglicherweise nicht immer leicht sein wird.

Sei die Frau, die du sein willst. Bitte niemanden um Erlaubnis, der nicht in deinen Schuhen steckt und frage denjenigen auch nicht um Rat, wenn er doch gar nicht wissen kann, was es heißt, du zu sein. Erinnere dich an dich.

Keiner wird dir je sagen können, warum manches so kommen muss, wie es kam. Aber am Ende macht das alles doch Sinn. Versuche einfach den Moment zu genießen und schreibe deine Geschichte selbst. Mach sie nicht von anderen abhängig.

Hör auf mit den Selbstzweifel, nicht gut genug zu sein. Hör auf, dir den Kopf zu zerbrechen, was andere denken könnten. Lass die Menschen reden, es kommt nur darauf an, dass du glücklich bist. Und das wichtigste, sei ehrlich zu dir selbst! Fang an, die zu sein, die du wirklich bist und nicht die, die andere gerne hätten. Die Vergangenheit hat offene Wunden bei dir hinterlassen. Heute ist es Zeit, diese Wunden ein für allemal zuzunähen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das Leben ist zu kurz für irgendwann!

In Liebe,

Du

Brief an mein jüngeres Ich

 

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